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LehrerTankstelle-Noe


(K)EINE/R spricht über mich

Viele persönliche Kränkungen und Verletzungen haben ihren Ursprung in Botschaften, die andere „über mich/uns“ treffen. Die Botschaften können verbal oder nonverbal gesetzt werden. Die Absender dieser Botschaften können vielfältig sein: Kollegen, Vorgesetzte, SchülerInnen, Eltern, …

Ist die Botschaft einmal als Kritik an der eigenen Person abgelegt, kann sie oft ihre zersetzende Wirkung entfalten.
Hier möchte ich zu einer Änderung des „Ablagesystems“ einladen, um diesen Prozess möglichst am Beginn zu stoppen.
Botschaften werden – wie eingehende Briefe in einem Büro – in ein persönliches Ablagesystem zur weiteren Bearbeitung von uns abgelegt. Dieses neu zu organisieren kann helfen, das eigene Wohlbefinden zu erhalten.

Dazu hier zwei (vereinfachte) Beispiele einer Ablagenorganisation:

Modell A:
„Gute“ Nachrichten / Lob: Er/Sie sagt etwas über mich! Ablage: „Persönliches“
„Schlechte“ Nachrichten/Kritik: Er/Sie sagt etwas über mich“ Ablage: „Persönliches-Herz“

Modell B:
„Gute“ Nachrichten / Lob: Er/Sie sagt etwas über mich! Ablage: „Ich (und Du)“
„Schlechte“ Nachrichten/Kritik: Er/Sie sagt etwas über mich“ Ablage: „Du (und Ich)“

Modell A ist den meisten von uns vertraut: Positive Nachrichten nehmen wir persönlich, und je nach Persönlichkeitsstruktur können wir diese als wichtig nehmen, oder tun sie als „unnötig ab“. Lob anzunehmen ist für viele nicht leicht.
Hingegen wird Kritik zumeist als Botschaft an und über uns angenommen, die wir uns „zu Herzen nehmen“, von wo sie oft in den Magen sinkt und alle Vitalkräfte zur Verdauung aufgewendet werden. Kräfte, die uns bei unserer Motivation, Lebenslust, Freude an unserem Tun dann oft fehlen.

Modell B möchte diesen Automatismus unterbrechen, indem Botschaften mit einem anderen Blick betrachtet und zugeordnet werden: Wir gehen dabei davon aus, das meistens jedeR etwas über sich selbst „sendet“, das auch Bedeutung für uns haben kann, aber nicht zwingend haben muss.
Bekomme ich Lob, so freue mich vielleicht darüber, und kann dieses nach „Prüfung“ in meinen Ordner „Persönliches“ ablegen – ist es ein ehrliches, so kann ich dieses mir auch zu Herzen nehmen und mich daran erfreuen. Liegt darin der Versuch einer Manipulation, erfreue ich mich über den wahren „Kern“ der Botschaft, werde aber den versteckten Appell unabhängig davon für mich klären; dazu ein Beispiel: „Niemand kann das so gut wie du!“ – Das kann stimmen, und ich darf mich darüber erfreuen – liegt darin der Versuch, eine Tätigkeit mir „anzuhängen“, so kann ich mich dafür entscheiden, diese zu übernehmen, ich könnte aber auch beschließen, andere dabei zu unterstützen (mit einer Idee oder praktisch) das, worin ich „so gut bin“ ebenfalls positiv zu meistern.
Bei einer als „negativ“ empfunden (non)verbalen Botschaft gehe ich grundsätzlich davon aus, dass mir der Absender etwas über SICH und nicht über mich erzählt. Schließlich ist er/sie selbst die Person, über die er/sie die höchste Kompetenz hat. Darin kann auch eine Botschaft an mich (Bitte oder Apell) enthalten sein, aber zunächst geht es darum zu erkennen, was die Selbstoffenbarung der Botschaft ist. Diese Botschaft sollte keinesfalls in der Ablage „Persönliches“ landen, da sie nichts mit mir zu tun hat. Ich darf sie mir zu Herzen nehmen, wenn mich die Position des/der Anderen berührt (im Sinne eines ehrlich empfundenen Mit-Gefühls“) – aber es geht dabei nicht um mich.
Auch hierzu ein Beispiel: Eine Schülerin ist in meinem (toll vorbereiteten und gehaltenen) Unterricht sichtbar unaufmerksam – nehme ich es persönlich, so werde ich diese nonverbale Botschaft als Kritik an mir und meiner fachlichen Kompetenz werten und aus dieser Position heraus agieren (z.B. Disziplinierung der Schülerin,…..). Gehe ich von einer Selbstoffenbarung aus, so kann es spannend sein, den Versuch zu unternehmen, die (zunächst negativ wahrgenommen) Botschaft zu verstehen, und somit in Beziehung zur Schülerin zu treten. Dies wird umso leichter, umso weniger ich deren Botschaft persönlich nehme.

Denken sie bei der Kommunikation an die mittlerweile außer Mode gekommenen Form der Brieffreundschaft: Hier war noch klar, dass der Absender einen „Bericht“ über seine/ihre Situation gibt und mich zur Antwort und Selbstdarstellung einlädt.
Ein hilfreicher Faktor bei der Beantwortung von Briefen ist auch die Zeit: Zeit, die mir hilft, die Botschaften zu verstehen und somit adäquat zu beantworten.
Auch in einer realen (Stress-)Situation kann ich mir oft diese Zeit verschaffen: Indem ich tief durchatme, mir bewusst mache, dass es jetzt nicht um mich geht (außer das ich als Kommunikationspartner ausgewählt wurde) und versuche (mit Herz und Hirn) zu verstehen, und solange Nachzufragen, bis mir dieses Verstehen möglich ist.

Es mag vielleicht enttäuschend sein, dass es in den meisten Botschaften die an mich gesendet werden nicht um mich geht – es liegt darin aber auch die Chance anstelle gut eingeübter Verteidigungs- oder Rückzugsstrategien auf vermeintliche „Kritik“ mit einer wohlwollenden und respektvollen Haltung zu antworten, die hilfreiche und unterstützende Kommunikation möglich macht.

© Franz Babka, Dipl. Lebens- und Sexualberater

 


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