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Hammer oder Amboss werden?

Eltern wünschen sich pflegeleichte Kinder. Angehörige pädagogischer Berufe auch.

Die traditionelle Methode, Kinder „brav“ zu machen, d. h. zu Gehorsam und Anpassung zu bringen, besteht darin, von klein auf ihren Widerstand zu brechen.

Dieser Widerstand entsteht so gegen Ende des zweiten Lebensjahres im sogenannten „Ersten Trotzalter“ – dann, wenn die Muskulatur des Kindes so weit erstarkt ist, dass es Spannung spürt aber auch selbst herstellen kann. Physisch verwirklicht sich das in der zielgerichteten Beherrschung der Schließmuskulatur (viele Kinder sagen dann auch von selbst, sie bräuchten keine Windeln mehr!) aber auch in Zwicken, Kratzen, Beißen, Schlagen und all den Handlungen, zu denen sie früher zu schwach und unkoordiniert waren.

Psychisch äußert sich dies in Selbstbehauptungsversuchen vom sprachlichen „Mag nicht!“ und „Ich will nicht!“ bis zum unartikulierten Brüllen und Sich-auf-den Boden-schmeißen. Und in der Essensverweigerung.

Wo der Säugling nur aus- oder weggespuckt hat, wird jetzt lautstrark oder verbissen Nahrungsaufnahme verweigert – und genau das löst bei vielen Erwachsenen die Fantasie aus, sie hätten es mit einem gleich starken Gegner zu tun: Sie lassen sich auf einen Machtkampf ein, drohen und strafen ... und wenn sie erfolgreich sind, und das sind sie meistens, haben sie damit die Wehrhaftigkeit ihres Schutzbefohlenen zerstört und wundern sich später, weshalb sich „brave“ Kinder nicht wehren (können).

Viele erwerben so schon früh ihre Disposition zu depressiven Verstimmungen.

Auch Widerstand muss man einüben dürfen – deswegen ist es wichtig, schon früh in einfachen Worten nach den Ursachen der Abwehr zu fragen (außer natürlich bei Lebensgefahr: Wenn ein Kleinkind allein über die Hauptstraße rennen will, gehört es durchaus „mit Gewalt“ zurückgehalten, nämlich durch die einzige (!) passende Reaktion, indem man es zurückreißt – jede andere Aktion ist unpassend und disqualifiziert die Erziehungsperson).

Fast immer wird aber der Widerstand beim Essen gebrochen und das sogar von ausgebildeten Pädagoginnen (absichtlich weibliche Form).

Ich kenne aktuelle Fälle, wo Kinder im Kindergarten zum Aufessen gezwungen werden, oft mit völlig unpädagogischen Hinweisen auf die armen hungernden Kinder in Biafra (wie wenn das ein Dreijähriges verstehen würde!) – und das nur „damit nichts übrig bleibt“ (obwohl es etliche Verwertungsmöglichkeiten gibt, man müsste halt nur mit Landwirten oder beispielsweise Sozialprojekten Kontakt aufnehmen). Dieser Satz stammt aus der „schlechten Zeit“ während des letzten Krieges und danach, wo man weder von Nahrungsmittelunverträglichkeiten wusste, noch darauf Rücksicht nehmen konnte.
Ich selbst beispielsweise bin ausgetestet, dass ich Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Bananen, Alkohol, Weizen, Hefegebäck und – Karotten! vermeiden soll; Karotten haben mich schon als Kleinkind angewidert – aber ich wurde gewaltsam zum Runterschlucken gezwungen, damals in den 1940er Jahren, und zwar von meiner Mutter, einer ausgebildeten Lehrerin, die selbst hingegen wohlweislich alle Milchprodukte vermied und deshalb auch mir, die Joghurt, Topfen und Käsespeisen liebt, vorenthielt.

Ich kenne viele derartige „orale Vergewaltigungen“ – nicht nur aus eigenem Beobachten beispielsweise aus einem Ferienlager, in dem es tagelang Paradeissuppe gab, einige der Kinder sich vor Ekel erbrachen und dennoch ihren Teller leer essen mussten – und genau die gleiche Disziplinierung erzählten mir anlässlich einer Diskussionsveranstaltung im Radiokulturhaus betroffene Eltern 2010 (!) von einer Einrichtung für behinderte Kinder in Wien.

Leider gibt es auch heute noch Lehrkräfte, die beispielsweise die Schülerschaft zwingen, die von ihnen im Kochunterricht produzierten Speisen zu essen, auch wenn sie – wie ich aus einem konkreten Fall aus Niederösterreich weiß – beispielsweise auf Fisch allergisch reagieren.

Dass es Menschen gibt, die auf andere keine Rücksicht nehmen, die keine anderen Modelle kennen als gewalttätige, und die sich um jeden Preis durchsetzen wollen, ist zwar enttäuschend und traurig – aber dass solche Ignoranz auch bei pädagogischen Fachleuten vorkommt – noch immer vorkommt! – ist skandalös und verlangt nach Nachschulungen!